Führung

Transformative Führung bezieht alle mit ein

Geschrieben von
Cornelia Kirschke
|
8.1.2024
Transformative Führung heißt alle zu beteiligen. Das Stock-Foto zeigt eine Workshopsituation, an der gemeinsam mit Post-Its gearbeitet wird.
Harry Traxler ist Personen- und Organisationsentwickler und spezialisiert auf Transformationsbegleitung und Führungskräfteentwicklung.
Harry Traxler ist Personen- und Organisationsentwickler und spezialisiert auf Transformationsbegleitung und Führungskräfteentwicklung. Seit 2019 ist er ID37 Master in der Schweiz. Sein Beratungsunternehmen Traxler und Partner hat die ID37 Persönlichkeitsanalyse fest in seine Entwicklungsprogramme, die Leadership-, Projektmanagement und B2B-Sales-Journeys, integriert, die unter dem Label „The Leadership Factory“ angeboten werden.

Harry, Du begleitest Unternehmen bei Führung und Transformation. Vor welchen Herausforderungen stehen sie?  

Fast alle Unternehmen befinden sich in Transformationsprozessen und die größten Herausforderungen hat tatsächlich die Führungsebene. Ich möchte das mit dem Modell „Spiral Dynamics“ von Don Edward Beck, basierend auf der Theorie Clare W. Graves, erklären. Das Modell beschreibt den schrittweisen Wandel von Unternehmenskulturen und bildet die Entwicklungsstufen farblich ab.

Farbliche Spiralabbildung mit Beschriftung, die das Modell "Spiral Dynamics" erklärt
Viele Unternehmen befinden sich in einer Transformation von der ersten in die zweite Ordnung (first zu second tier)


Häufig spüren oder erleben die Unternehmen, dass ein grundlegender Wandel notwendig ist, wissen aber oft nicht genau, wie sie das anstellen sollen. Die große Chance für Unternehmen liegt darin, gezielt in die Entwicklung ihrer Führungskräfte zu investieren. Folgt man dem „Spiral Dynamics“ Modell, bedeutet das, das Unternehmen in eine gelebte „gelbe / türkise“ Unternehmenskultur zu bringen. Also in eine Kultur, in der sich Menschen sicher fühlen, gerne mitarbeiten und mitentscheiden und sich an den hervorragenden Ergebnissen erfreuen.

Wie passt die ID37 Persönlichkeitsanalyse in diese Transformationsprozesse?

Die ID37 Analyse ist ein effizientes Tool, um Führungskräfte in die Lage zu versetzen, das ganze Team in den Veränderungsprozesse einzubeziehen. Das ist das, was transformative Führung ausmacht. Und zwar von der Rekrutierung (wie passen beispielsweise die drei finalen Kandidat:innen ins Team), über die Zusammenstellung von Teams (wer übernimmt welche Rollen im Team) bis hin zur „demokratischen“ Wahl von Führungspersonen (ja, typisch Schweiz …!).

Das geht dann so: Das Team lernt gemeinsam eine neue Sprache namens „intrinsische Motivation“. Nachdem sie sich intensiv mit der Theorie dahinter, mit ihren eigenen ID37 Persönlichkeitsprofilen und denen der anderen Teammitglieder auseinandergesetzt haben, können sie in den gestaltenden Teil übergehen. Sie definieren in Zusammenarbeit:

  • ein ideales Motiv-Profil eines Teammitglieds und
  • ein ideales Motiv-Profil einer Führungskraft für das Team.

Die Zusammenarbeit führt zu sehr lebhaften Diskussionen im Team und einer aktiven Auseinandersetzung mit den Rollen Teammitglied und Führungskraft. Und dabei wird ein wichtiger Grundsatz des Change-Managements berücksichtigt: „Beteilige alle, die es betrifft, am Veränderungsprozess.“

Zwei Flipcharts mit dem ID37 Profilraster im direkten Vergleich. Auf einem sind Idelaprofile eingezeichnet (MA, Chef) und auf dem anderen ist ein weiteres, das Realprofil, dartestellt.
Workshoparbeit: Ideale Motiv-Profile (links) im Vergleich zum tatsächlichen Motiv-Profil einer Führungskraft (rechts)

Welche Mehrwerte erleben die Führungskräfte und Mitarbeitenden in dieser Phase des Transformationsprozesses?

Sie lernen sich, die anderen und selbstverständlich auch die Führungskräfte besser kennen. Sobald eine vertiefte Erkenntnis über dieAndersartigkeit von anderen Menschen im Umfeld gereift ist, kann eine Person mit einer gewissen Leichtigkeit durchs Leben gehen. Mit der Bewusstmachung und dem Verständnis kommt meist auch die Akzeptanz: "Ich bin anders, der andere ebenfalls." Was bisher grösstenteils unbewusst emotional (Limbisches System) auf mich wirkte und vielleicht sogar das Miteinander störte (grünes Mem im "SpiralDynamics" Modell), wird jetzt rational (Neo-Cortex). Die Andersartigkeit, die ursprünglich als störend empfunden wurde, wird jetzt als eine bereichernde Diversität erlebt.

Ein konkretes Beispiel aus einem Workshop: Vor dem Workshop wurde mir mitgeteilt, dass eine Person im Team "wackelt", weil sie "so sehr polarisiert" und "gar nicht zur Kultur des Teams" passt. Was für eine Erleichterung am Abend des Workshops, nachdem alle ID37 Profile miteinander ausgetauscht und die Idealprofile definiert waren! Der "Wackelkandidat" nahm eine neue Rolle ein, von der das gesamte Team, das gesamte Unternehmen und natürlich er selbst massiv profitierte. Win-Win-Win! Aus menschlicher und unternehmerischer Sicht eine sehr kluge Investition!

Was ist Dir in diese Kontext Führung und Transformation noch wichtig zu erwähnen?

Wie immer in der Transformation, ist die Ausgangslage wichtig: Wo befinden sich die Mitarbeitenden, wo die Führungskräfte, wo die Unternehmenskultur? Entsprechend muss die neue Sprache "intrinsische Motivation" adaptiert und erlernt werden, manchmal mit einem sehr steilen Einstieg, ein anderes Mal sehr vorsichtig und mit einfachen Worten.

Aus den Erfahrungen und Erkenntnissen mit genau 100 ID37 Profilen im Jahr 2023 blicke ich mit grosser Vorfreude auf die Herausforderungen im neuen Jahr!

Vielen Dank, Harry


>> Noch mehr Inspiriation zu Führung, Team und Transformation?

Das Unternehmen Morningstar, ein weltweit operierendes Investment-Research-Unternehmen, setzt ID37 Persönlichkeitsprofile beim Jahrestreffen der Führungskräfte zur Standortbestimmung und Teamentwicklung ein.

Teaserphoto by Jason Goodman on unsplash.com

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